In Ghana ticken die Uhren anders. Pünktlichkeit sieht man lockerer. Das ist ein plattes Stereotyp und trifft doch auf viele Bereiche des Lebens hier zu – nur nicht auf die Ghanaian Times. Hier wird Unpünktlichkeit bestraft. Das habe ich die ersten beiden Tage erfahren.
Die erste Deadline im Redaktionsalltag liegt um 8.30 Uhr. Montag und Dienstag habe ich sie um wenige Minuten gerissen und war dann arbeitslos. Um 8.30 Uhr fährt der Redaktionswagen los. Bis zu zehn Reporter quetschen sich dann in einen Toyota-Kombi und werden zu ihren Terminen quer durch die Stadt gefahren.
Am Mittwoch sitze ich zum ersten Mal im Wagen, zwischen drei Kollegen auf einer Sitzbank im Kofferraum. Der Redaktionsfahrer müht sich durch den Verkehr. Erster Stopp am Parlament, die Politikreporterin springt aus dem Wagen, dann Halt am Bildungsministerium. Dann geht es einmal durch die Stadt und um 9.30 Uhr stoppen wir am vornehmsten Hotel der Stadt, dem La Palm Royal Beach Hotel. Mein Termin. Praktikant Henking und ich springen aus dem Kofferraum. Heute eröffnet hier die African Technology Conference. Wie kann man mit moderner IT die Bildung in Afrika verbessern? Darum soll es gehen. Microsoft, IBM und Dell sponsoren das Ganze.
Microsoft-Vize Kelvyn Hicks schwärmt von flächendeckendem Internetzugang und von „learning anywhere anytime“ als Erfolgsrezept. Nach seinem Vortrag fragt man sich, ob Grundschüler wirklich nichts dringender brauchen als eine lebenslange E-Mail-Adresse von Microsoft.
Doch davon steht später nichts in dem Artikel, den Henking und ich schreiben. Denn hier zählt mehr das, was die Offiziellen gesagt haben. Nach kurzen Grußworten und den Reden von Hicks und einem König Adamtey I., der die Initiative Life for Africa ins Leben gerufen hat, ist damit das Wichtigste für uns erledigt.
Doch Henking will erst zurück in die Redaktion, wenn er die PR-Chefin der Konferenz gefunden hat. Er sucht eine gute Viertelstunde lang nach ihr, ohne zu sagen, was er von ihr will. Dann findet Henking sie. Die Frau drückt ihm einen Umschlag in die Hand. Auf dem Heimweg öffnet er ihn – 20 Cedis stecken darin, für Henking, die Fotografin und mich.
Das sind rund 13 Euro und so läuft das hier. Wenn Ministerien, Kommissionen oder eben Konferenzen die Presse einladen, gibt es für die anwesenden Medienvertreter einen Umschlag mit ein bisschen Geld – for transport, wie es heißt. Und da Transport in Accra tatsächlich ein Problem ist, und selbst die Ghanaian Times ihre Reporter nur mit einer Sammelfahrt rausschickt, hat das für die Journalisten hier keinen schalen Beigeschmack. Wir nehmen das Geld aber nicht für transport, leisten uns kein Taxi, sondern fahren mit dem Trotro zurück in die Redaktion.
Um 13 Uhr kommen wir dort an. Der News Editor ruft uns zu „Do it fast, do it fast!“ und wir beginnen sofort mit dem Schreiben – mit Stift und Papier. Im Newsroom stehen zwei Telefone und acht Rechner für insgesamt über 20 Redakteure. Manche Journalisten bringen zwar ihren eigenen Laptop mit. Doch für die Kollegen weiter unten in der Redaktionshierarchie bleiben nur Stift und Papier. Internet funktioniert nur an einem Rechner und an den Laptops, und das Netz spielt für Recherche und das Schreiben so gut wie keine Rolle. Wenn das Kelvyn Hicks wüsste.











