Die beste Party, die ich bislang in Accra gefeiert habe, ging bis Sonntagmittag um 12. Das Publikum: in purer Ekstase. Für die Musik waren drei Jugendliche zuständig. Jedes Mal, wenn sie auf ihre Trommeln schlugen und auf dem Schlagzeug trommelten, klatschten alle mit. Dazu sangen alle laut und reckten beim Tanzen ihre Arme Richtung Himmel. Vom Golf von Guinea wehte eine frische Brise durch die offenen Fenster. Sonst wäre die Hitze in der kleinen Hütte aus Stein und Wellblech nicht auszuhalten gewesen.
Die Hütte liegt gleich um die Ecke von unserem Haus in South La und heißt St. Paul’s Church. Ich war dort zum Sonntagsgottesdienst, von 9 bis 12 Uhr. Was passiert, wenn ein Deutscher, evangelisch getauft, aber so gut wie nie in der Kirche, eine katholische Messe in Accra besucht? Ihm wird gesagt, er habe soeben den Priester geheilt und er wird zum Vorsitzenden des Erntefestes der Gemeinde ernannt.
Als erstes dankt Priester John dem Herrn, dass dieser den white man und die white woman, meine Begleitung Kat aus Kanada, nach St. Paul’s geführt habe. Zu Beginn des Gottesdienstes habe er sich noch krank gefühlt, erzählt der Priester vor der Gemeinde. Doch als er uns beide sah, sei er sofort genesen. Praise the Lord. Seine rund 20 Schäfchen jubeln im Chor: Praise the Lord.
Wenn John predigt, spricht er nicht einfach laut, er schreit und er fuchtelt mit seinen Armen. Mal streckt er ermahnend den rechten Zeigefinger in die Luft, mal breitet die Arme so weit aus, als wolle er die ganze Gemeinde gleichzeitig umarmen.
Und er gibt das Zeichen, wenn die Musik einsetzen soll. Hier dudelt keine Kirchenorgel, allein Schlagzeug und Trommeln geben den Takt vor, zu dem die Kirchengänger feiern. Sie tanzen durch die Reihen aus pinken Plastikstühlen und vor dem Altar. So lange bis Priester John abwinkt.
Gegen Ende des Gottesdienstes, als John einen Ausblick auf das Gemeindeleben der kommenden Monate gibt, ernennt er mich zum Vorsitzenden und Kat zur Vizechefin der Kommission für das Gemeinde-Erntefest. Das findet Anfang Dezember statt. Da wollte ich eigentlich zurück in Berlin sein, und Kat in Ottawa, aber Priester John duldet keinen Widerspruch.










Oh, großartig diese Geschichte. Jetzt hab ich sie grad das dritte mal gelesen und komm nicht raus aus dem Lachen. Wundervoll.
Danke.
moin moin,
x-hain calling.
super geschichte. endlich, ich wollte schon einen leserbrief schreiben an seite3. eine beschwerde. denn: klapprige autos, redaktionsleben, gepelltes obst, schön und gut – aber wo bleibt die kultur? ausstellungen, kunstszene, konzerte, bilbiotheken, die rap-szene … der kunstsinnige leser kommt hier etwas kurz … aber jetzt ist ja ein anfang getan.
besten gruß aus dem hohen haus von axel s.