Die letzten Tage habe ich von zu Hause aus gearbeitet. Ganz einfach war es nicht, neben Laptop (immer noch kaputt) und Internet (immer schwierig) fehlte vor allem die Ruhe. Die Gründe: Nachbarin Rosemary hat fünf Kinder. Es sind Schulferien. Die Kinder machen gerne Lärm. Hauswände und Fenster isolieren so gut wie nicht.
Die Kinder trommelten stundenlang auf einem Mülleimer rum. Das war offenbar selbst ihrer Mutter zu anstrengend. Die drehte also die Musikanlage extra weit auf und beschallte mich am Dienstag drei Stunden am Stück mit Phil Collins. Drei Stunden dasselbe Lied. Da will man eine Reportage über Elektroschrott schreiben, und in der Endlosschleife singt einem Collins „You’ll be in my heart“ ins Ohr, von 10 bis 13 Uhr. Nachmittags war es ähnlich, nur schlimmer. „How am I supposed to live without you“ heulte Michael Bolton, von zwei bis vier, nonstop.
Was am Mittwoch von drüben dröhnte, kannte ich nicht. Es war Reggae, aber ich konnte nicht erkennen, wer da worüber singt. Bis der Refrain kam: „Barack, Barack, Barack Obama“ sangen mir Frauenstimmen laut ins Ohr. Das Lied ist von Blakk Rasta, einem ghanaischen Reggae-Star und Radiomoderator. Ich fragte meinen Mitbewohner, eine Journalistin und Rosemary, was genau Blakk Rasta da eigentlich singt. Keiner der drei wusste das so richtig. Es ist wohl ein kruder Mix aus Twi, Englisch und jamaikanischem Reggae-Slang. Was sie mir sagen konnten: Der Song lief im Radio rauf und runter, bevor ich nach Accra kam. So hört er sich an:
Fast jeder zweite Amerikaner, das ergab kürzlich eine Umfrage, ist genervt von Barack Obama. Am Mittwoch, nach zwei Stunden Dauerbeschallung durch Blakk Rasta, ging es mir erstmals für kurze Zeit ähnlich.
Am Mittwoch nachmittag blieb die Anlage aus. Ich konnte die Ohropax rausnehmen und kam gut mit dem Text voran. Donnerstag versuchte ich, meine Geschichte fertig zu schreiben, dazu spielte Rosemary auf voller Lautstärke „Changes“ von 2Pac. Obama will Change, 2Pac sieht keine Changes. Was würde der 1996 ermoderte Hip-Hopper wohl zu Obama sagen?
In Changes rappt er: „Though it seems heaven sent, we ain’t ready to see a black President.“
Das ist allerdings 12 Jahre her. Hat sich seitdem was in den USA geändert? Und wäre Obama überhaupt ein black President? Im Netz habe ich kurzes Interview Blakk Rasta gefunden. Dort sagt er: „So many people didn’t even know who Barack was, until I came up with that song, Barack Obama, and people started realizing, oh, who is this? And even still, people just like the music and don’t know exactly what the music is talking about. Some people see a picture of Obama, and say to me that he is not even black, and I have to tell them that he is a black man like you and me. „
Ich fragte meinen Mitbewohner Poppo, ob Obama schwarz ist. Er schaute mich verwundert an. „Nein, wieso das denn?“. Na, weiß ist er nicht, sagte ich. „Ja, er ist nicht komplett weiß, aber er ist kein Afrikaner. Also ist er nicht schwarz.“ Als ich ihm sagte, dass Obamas Vater aus Kenia war, änderte das auch nichts für Poppo. Obama ist in den USA geboren, damit ist er Amerikaner und fertig. Blakk Rastas Song mag Poppo aber trotzdem.









