„I was created as a monster to bring Obama down“, sagt der kleine Mann hinter dem Rednerpult in der All Souls Unitarian Church. Er hat für kein politisches Amt kandidiert, er trat weder im Fernsehen noch auf einer einzigen Wahlkampfveranstaltung auf, und doch war er eine der Hauptfiguren im Wahlkampf. Ein Gespenst, über das ständig gesprochen wurde, selbst aber nie zu sehen war. Für Sarah Palin und John McCain war der Mann die Steilvorlage für ihre Behauptung, dass sich Barack Obama mit Terroristen herumtreibe.
Sein Name: Bill Ayers. Seine Kurzbiografie: Industriellensohn, Studentenführer, Bombenleger, Bildungsforscher, Uniprofessor. Von 1969 bis 1971 verübte der radikale Kriegsgegner Bombenanschläge auf das Pentagon, das Capitol und andere US-Regierungsgebäude. Mitte der 90er hat er sich mehrmals mit Obama getroffen, einmal zum Abendessen, mehrmals in Verwaltungsräten.
Ayers ist heute nach Washington gekommen, um über Bildung und Schulpolitik zu sprechen. Doch er weiß, dass sich viele der etwa 200 Zuhörer für ein anderes Thema interessieren.
Hätte ich den Vortrag vor sechs Monate gehalten, wären vielleicht zehn Menschen hier, sagt Ayers. Nun sind allein zehn Fotografen hier, sowie vier Kamerateams und viele Zuhörer, die in Notizblöcken eifrig mitschreiben, was der 64-Jährige erzählt.
Ayers sagt: „Now, accidentally and unwillingly, I am a celebrity.“ Nicht als Bildungsexperte, sondern als Terrorist vom Dienst – wie in diesem Wahlspot. Den ganzen Wahlkampf über hat Ayers geschwiegen zu den Vorwürfen und zu seinen Verbindungen zu Obama. Er hätte an der Karikatur, die von ihm gezeichnet wurde, ohnehin nichts ändern können, sagt er.
Was genau er mit dem künftigen Präsidenten nun zu tun hatte? Eine ausführliche Antwort gibt es hier. Und eine kurze Version kam von Ayers selbst: Seine Verbindung zu Barack Obama sei nicht enger als zu tausend anderen Menschen.










