Gestern hatte ich meinen ersten Half-Smoke. Nein, ich habe nicht das Rauchen angefangen. Was sich nach einer halben Zigarette anhört, ist ein Hot Dog – nicht irgendeiner, sondern der Washington-Hot-Dog. In Ben’s Chili Bowl gibt es die Half-Smokes mit Chili, Senf, Zwiebeln und einer großen Portion gelebter Geschichte.
Ben’s Chili Bowl, mitten auf der U Street, ist dieses Jahr fünfzig geworden. Dieser “Treffpunkt des schwarzen Washingtons” (Washington Post) hat viel erlebt in den letzten Jahrzehnten. In den Fünfzigern kam Duke Ellington regelmäßig nach seinen Konzerten auf der U Street für einen Chili Half-Smoke rüber in Bens Restaurant.
Als während der Rassenunruhen im April 1968 erst zwei Tage lang die U Street brannte, und dann das ganze Stadtzentrum, bekam Ben eine Sondergenehmigung: Trotz Ausgangssperre blieb sein Restaurant offen und versorgte Protestanten und Polizisten, Randalierer und Rettungssanitäter mit Chili Dogs.
In Folge der Aufstände ging es mit der Nachbarschaft bergab. Als einziges Geschäft auf der U Street überlebte Ben’s Chili Bowl die Siebziger und Achtziger. Und als Ende der Neunziger die U-Bahn weitergebaut wurde und die Straße in eine einzige Baugrube verwandelte, da machte Ben’s Chili Bowl mit einem einzigen Angestellten für die Bauarbeiter weiter.
Seit ein paar Jahren spült die Gentrification äthiopische Restaurants und schicke Weinbars in die U Street. Doch in Ben’s Chili Bowl sieht es immer noch aus wie in den Fünfzigern. Und die Zutaten für den Chili Half-Smoke sind die gleichen wie 1958.











